Neuseeland ohne Huawei – und ohne chinesische Touristen


 
 
 

Peking reagiert auf die kritische Haltung einiger Länder in Sachen 5G: Reisende sollen ihre Urlaube nach Neuseeland umbuchen. Und auch der Lachsexport verzögert sich spürbar.

hina reagiert auf den Bann gegen seinen Netzwerkkonzern Huawei in Neuseeland. Der Inselstaat hatte aus Sorge vor Spionage als eines der ersten Länder den chinesischen Konzern vom Bau des 5G-Datennetzwerkes ausgeschlossen. Nun schlägt Peking zurück: Die staatliche Zeitung Global Times in Peking berichtet von Touristen, die aus Vergeltung ihren Urlaub auf Neuseeland streichen: „Geht es hier um eine Art von Diebstahl? Sie wollen unser Geld, aber stoßen uns einen Dolch in den Rücken“, zitiert die Zeitung der Kommunistischen Partei einen Chinesen, der nun lieber anderswo hin verreist.
Christoph Hein

Es ist nicht das erste Mal, dass China seine wachsende Armee von Touristen nutzt, um politischen Druck auszuüben: Deren Zahlen fielen 2017 in Südkorea dramatisch, nachdem Seoul zum Ärger Pekings das amerikanische Raketenwarnsystem THAAD installierte. Auch Thailand litt unter dem Fernbleiben der Chinesen, nachdem ein Video aufgetaucht war, in dem ein thailändischer Grenzbeamter einen chinesischen Touristen schlug. Da der Fremdenverkehr Chinas meist staatlich und über Gruppenreisen gelenkt ist, reicht oft ein Zwischenfall, um für Monate für Absagen zu sorgen. Die wachsende Abhängigkeit vom chinesischen Tourismus in Asien führt dann zu spürbaren Einschnitten.

So bilden die Chinesen in normalen Zeiten auch für die grünen Inseln schon die zweitstärkste Gruppe unter den Touristen nach den benachbarten Australiern. Im vergangenen Jahr besuchten mehr als eine halbe Million Chinesen die Inseln mit ihrem gut 4,7 Millionen Einwohnern. Chinesische Touristen geben – statistisch betrachtet – das Doppelte von Amerikanern in Neuseeland aus. Mit Neuseeland scheint sich nun zu wiederholen, was Australien schon in den vergangenen Jahren durchlebte: Peking reagiert hart auf Kritik und Ausschluss. Nach der Debatte um Spionage in Australien ging dies soweit, dass sogar das Studieren in Australien von China in Frage gestellt wurde. In noch stärkerem Maße als Neuseeland ist dabei Australien von Chinas Kaufkraft abhängig. China ist mit einem Exportwert von 16,6 Milliarden Neuseeland Dollar (10,05 Milliarden Euro) auch der größte Kunde Neuseelands. 2008 vereinbarten beide Länder den Freihandel.

„5G ohne Huawei ist wie Rugby ohne Neuseeland“

Im November vergangenen Jahres hatte die Regierung der Telefongesellschaft Spark verboten, Bauteile von Huawei für 5G zu verwenden. Zuvor hatte Neuseelands Nachrichtendienst davor gewarnt, dass eine Zusammenarbeit „beträchtliche Risiken für die nationale Sicherheit“ mit sich brächte. Kurz darauf wurde der geplante Besuch von Ministerpräsidentin Jacinca Ardern in Peking ohne Angabe von Gründen gestrichen. Am Samstag musste ein Flugzeug von Air New Zealand nach mehreren Stunden auf dem Weg von Auckland nach Schanghai umkehren, weil es keine Landeerlaubnis erhielt. Auch wenn der Grund möglicherweise ein bürokratischer auf Seiten der Fluggesellschaft war, deuteten viele in Neuseeland die erzwungene Umkehr als Schikane Chinas.

Anfang der Woche wurde das seit langem geplante „Tourismusjahr“, das im Nationalmuseum in der Hauptstadt Wellington mit einem Festakt eröffnet werden sollte, von chinesischer Seite gestrichen. Die offizielle Begründung lautete, es gebe zeitliche Schwierigkeiten. Der größte Lachsproduzent des Landes, Sanford, berichtet, seine Lieferungen würden an der chinesischen Grenze aufgehalten. Andere, wie der weltgrößte Milchkonzern Fonterra und Kiwi-Exporteur Zespri haben bislang keine Schwierigkeiten.

Huawei selbst hingegen versucht, die Stimmung über Anzeigen zu drehen: In den beiden großen Zeitungen des Landes warb der Konzern ganzseitig für seine Berücksichtigung beim Aufbau des Netzes: „5G ohne Huawei ist wie Rugby ohne Neuseeland“ hieß es da.