Chinesen drehen Geldhahn ab: Investitionen in den USA sinken drastisch

Chinas Präsident Xi Jinping

 
 
 

Jahrelang investierte China immer mehr Geld in den USA. Die Milliarden waren gern gesehen, entstanden damit doch oft auch neue Arbeitsplätze. Doch der Handelskrieg hat die Lage geändert.

China gehört zu den Groß-Investoren. Das Land investiert Milliarden in der ganzen Welt, um sich an Firmen zu beteiligen oder neue Standorte aufzubauen. Wenngleich das Volumen chinesischer Investitionen in deutsche Unternehmen laut Ernst & Young 2018 um 22 Prozent zurückging, so bleibt Deutschland das beliebteste Investitionsziel in Europa. Insgesamt investierten chinesische Unternehmen im vergangenen Jahr 10,7 Milliarden US-Dollar (entspricht 8,99 Milliarden Euro).

Investitionen brechen dramatisch ein

Natürlich fließen die Investitionen nicht nur nach Europa, sondern auch in die USA. Doch der stete Kapitalstrom, der einst aus chinesischen Kassen in US-amerikanische Konzerne floss, versiegt zusehends, abgewürgt vom Handelsstreit zwischen den beiden Ländern.

So fielen chinesische Direktinvestitionen in die USA im vergangenen Jahr auf nur noch 5,4 Milliarden US-Dollar (4,5 Milliarden Euro), wie die „New York Times“ unter Berufung auf Daten des Analysehauses Rhodium Group berichtete. „Die Folgen bekommen zahlreiche Branchen zu spüren, darunter Silicon Valley Start-ups, der Immobilienmarkt in Manhattan und Bundesstaaten, die jahrelang um chinesische Investitionen geworben haben“, schreibt die Zeitung. „Jahrelang haben sich die chinesischen Investitionen in die Vereinigten Staaten beschleunigt. Das Geld floss in Autos, Technologie, Energie und Landwirtschaft und und schuf neue Arbeitsplätze in Michigan, South Carolina, Missouri, Texas und anderen Staaten. Als Chinas Wirtschaft boomte, versuchten staatliche und lokale Regierungen zusammen mit amerikanischen Unternehmen einen Anteil der Investitionen abzubekommen“

Doch mit 5,4 Milliarden Dollar ist das Investitionsvolumen noch noch halb so groß wie die Summe, die nach Deutschland fließt. Dabei ist die US-Wirtschaft, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, mehr als fünfmal so groß wie die deutsche, und bietet damit weit mehr Ziele. Hinzu kommt, dass in den USA viel mehr Unternehmen börsennotiert sind, was Investitionen und Übernahmen etwas einfacher gestaltet.

Verantwortlich dafür ist US-Präsident Trump, der mit seinem Handelskrieg einen tiefen Spalt zwischen die beiden Länder getrieben hat. Davon zeugen die Zahlen aus dem Jahr 2016, vor seinem Amtsantritt: Damals investierten die Chinesen mit 46,5 Milliarden US-Dollar (41,25 Mrd. Euro) so viel wie nie zuvor in US-Konzerne. In nur zwei Jahren ist das Investitionsvolumen damit um satte 88 Prozent zusammengeschrumpft.

„Der Umstand, dass die ausländischen Direktinvestitionen so dramatisch gefallen sind, ist symbolisch dafür, wie massiv sich die wirtschaftliche Beziehung zwischen den USA und China verschlechtert hat“, zitierte die „NYT“ Eswar Pasad. „Die USA trauen den Chinesen nicht, und China traut der USA nicht“, erklärte der ehemalige Leiter der China-Abteilung beim Internationalen Währungsfonds (IWF).

Amerikaner schmeißen chinesische Firmen einfach raus

In Einzelfällen kam es gar zu einem faktischen Rausschmiss chinesischer Investoren durch die Amerikaner. Die HNA-Gruppe etwa, hierzulande als kurzzeitiger Großaktionär der Deutschen Bank bekannt, musste sich gar von einem Wolkenkratzer in Manhattan trennen, da das Gebäude den US-Behörden zufolge zu nahe am Trump Tower lag, wie die „New York Times“ schrieb. Für HNA bedeutete das aber einen Verlust von 41 Millionen US-Dollar.

HNA ist kein Einzelfall. 2018 erhielt das sogenannte Komitee für ausländische Investitionen in den USA weitreichendere Befugnisse als zuvor, und kann nun einfacher denn je Transaktionen blockieren oder Investoren zum Ausstieg zwingen, vor allem, wenn es um möglicherweise strategisch wichtige Technologien wie Telekommunikation oder Computer geht, so die „NYT“.