Wie China im Kampf um weltweiten Einfluss Touristen zur Waffe macht PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: thomas.jaeger   
Montag, den 19. Juni 2017 um 04:17 Uhr

Einfuhrstopps für Mangos, Kohle, Lachs und andere Waren sind für die chinesische Regierung seit langem die bevorzugten Druckmittel gegen Staaten, die sich ihren Wünschen widersetzen.

Aber die Volksrepublik kann andere auch mit dem Stopp eines weiteren lukrativen Exportguts treffen: Kaufkräftige Touristen, die normalerweise nach Südkorea oder Taiwan strömen und dort die Wirtschaft stärken.

Südkorea etwa traf der chinesische Touristenboykott jüngst, weil in dem Land ein Raketenabwehrsystem des US-Militärs stationiert wird. Die Urlauber aus dem Milliardenland blieben einfach aus. Experten werten solche Strafmaßnahmen auch als Zeichen dafür, dass China die eigene wirtschaftliche Stärke aggressiver ausspielt.

Harter Schlag für Südkoreas Tourismusbranche

Dass die Regierung in Peking chinesischen Reisegruppen den Weg nach Südkorea sperrte, traf die dortige Tourismusbranche hart. Das galt speziell auch für die auf zollfreien Verkauf spezialisierten Geschäfte der Lotte Group.

Der große Handelskonzern zog den Unmut Chinas auf sich, weil er Grundstücke für das umstrittene Raketenabwehrsystem bereitstellte, das China als Bedrohung seiner militärischen Fähigkeiten betrachtet.

Dutzende Lotte-Läden in China wurden geschlossen, um Druck auf die südkoreanische Regierung in Seoul auszuüben. Das Unternehmen bekam auch bei anderen Projekten im Reich der Mitte Probleme. Unter anderem wurden ein Themenpark-Projekt im Volumen von 2,3 Milliarden Euro gestoppt, und Internetseiten der Firma wurden zum Ziel von Cyberangriffen.

"Sie stecken Politiker auf der ganzen Welt in den ökonomischen Schraubstock"

"Wenn Du nicht tust, was Pekings politische Führung will, dann wirst du wirtschaftlich bestraft", sagt Shaun Rein, Gründer der in Shanghai ansässigen Market Research Group. "Sie stecken Politiker auf der ganzen Welt in den ökonomischen Schraubstock. Sie tun dies schon seit Jahren, und es funktioniert."

Das in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ansässige Reiseunternehmen Korea-China International Tourism verzeichnete zuletzt etwa einen Einbruch der Kundenzahl um 85 Prozent. Die Firmenleitung selbst machte China dafür verantwortlich.

Auch Russland nimmt so Einfluss

Die Regierung in Peking ist nicht die einzige, die den Tourismus als politische Waffe einsetzt. So verhängte Russland 2015 drastische Reisebeschränkungen gegen die Türkei. Moskau untersagte russischen Reiseanbietern, Touren in die Türkei anzubieten, und traf die türkische Wirtschaft damit schwer. Hintergrund der Strafmaßnahmen war der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe an der syrisch-türkischen Grenze.

Auch in Taiwan leidet der Tourismus, seit sich die politischen Beziehungen mit China verschlechtern. Der Hotelverband der Hauptstadt Taipeh berichtete von einem Einbruch der Buchungen von Touristen aus Festlandchina um 50 Prozent und warnte, die Lage könne sich verschlimmern. "Freunde rieten mir, angesichts der angespannten Lage nicht nach Taiwan zu fahren", berichtete ein 58-jähriger Chinese in einem Taipeher Duty-Free-Geschäft.

"Es ist ein Art Politik mit Zuckerbrot und Peitsche"

Staaten, die sich Chinas Vorstellungen beugen, werden dafür mitunter direkt belohnt. So hob Peking eine Importembargo gegen 27 philippinische Fruchthandelsunternehmen auf, nachdem Präsident Rodrigo Duterte im vergangenen Oktober seine "Trennung" von den USA verkündet hatte. "Es ist ein Art Politik mit Zuckerbrot und Peitsche", erläuterte der Politikwissenschaftler Jean-Pierre Cabestan von der Hong Kong Baptist University.



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