WHO: China hat Virus später als bekannt gemeldet

Corona-Chronologie der WHO
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Bisher schien klar: Am 31. Dezember erfuhr die WHO von einem neuartigen Virus in China. Eine aktualisierte WHO-Corona-Chronik legt nun aber nahe, dass die chinesischen Behörden erste Corona-Fälle später und nicht von sich aus meldeten.

China hat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ausbruch des neuartigen Coronavirus in Wuhan Anfang des Jahres länger vorenthalten als bisher bekannt. Laut einer überarbeiteten WHO-Chronologie der Corona-Pandemie hat die Organisation nicht von den chinesischen Behörden, sondern von ihrem eigenen Büro in der Volksrepublik erstmals von der Infektion erfahren.

Pressemitteilung regionaler Behörden statt offizieller Meldung

Die ursprüngliche Fassung der WHO-Corona-Chronologie vom 27. April konnte den Anschein erwecken, die chinesischen Behörden hätten den Ausbruch von sich aus bereits am 31. Dezember an die WHO gemeldet. Dort hieß es: „31. Dezember: Die städtische Gesundheitskommission von Wuhan, China, meldet einen Cluster von Lungenentzündungen in Wuhan. Ein neues Coronavirus wurde später identifiziert.“

Die aktualisierte Fassung liest sich anders: „Das WHO-Länderbüro in China wurde auf eine Pressemitteilung auf der Webseite der städtischen Gesundheitskommission von Wuhan über Fälle von ‚viraler Lungenentzündung‘ in Wuhan, China, aufmerksam.“ Es gab an diesem Tag also lediglich eine Pressemitteilung auf der Webseite der regionalen Gesundheitsbehörden, keine offizielle Mitteilung des Landes an die WHO.

Offizielle Mitteilung erst am 3. Januar

Am 1. Januar habe die WHO nähere Informationen von China angefordert und diese Forderung am 2. Januar erneuert. Unter dem 3. Januar heißt es in der neuen Chronologie: „Chinesische Beamte lieferten der WHO Informationen über einen in Wuhan identifizierten Cluster von Fällen ‚viraler Lungenentzündung unbekannter Ursache‘.“

Nach Angaben von WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan hatten die chinesischen Behörden auf Nachfrage zwar umgehend bestätigt, dass es sich bei der Pressemitteilung um eine offizielle Mitteilung handelte. Sie habe die darin genannten Fakten aber zunächst prüfen müssen. Länder sollten solche Angaben innerhalb von 24 bis 48 Stunden verifizieren.

Futter für Trumps WHO-Kritik

Der genaue zeitliche Ablauf der chinesischen Kommunikation über das neuartige Virus birgt Konfliktpotenzial: US-Präsident Donald Trump hatte China wiederholt vorgeworfen, zu langsam über den Ausbruch informiert zu haben, und macht das Land deshalb für die weltweite Ausbreitung des Coronavirus verantwortlich.

Der WHO warf Trump vor, zu sehr auf chinesische Angaben vertraut zu haben. Trump stellte daher zunächst die US-Zahlungen an die WHO ein und verkündete Ende Mai schließlich ein Ende der Zusammenarbeit. China hat Vorwürfe, Angaben zum Corona-Ausbruch in Wuhan verschleppt zu haben, stets zurückgewiesen.