Corona zeigt die gefährliche Abhängigkeit von China

Die Welt lässt sich von China mit Autoteilen, Spielzeug und Elektronik beliefern. Aber auch Antibiotika, chirurgische Masken und medizinisches Gerät werden von dort importiert. In der Corona-Pandemie wird diese Abhängigkeit zum Verhängnis.

Die Coronavirus-Infektionen sind in Europa in der vergangenen Woche in die Höhe geschossen, Tausende sind allein in Deutschland infiziert. Das zeigt nicht nur, wie unvorbereitet Regierungen und Bürger gewesen sind. Es verweist auch auf ein weiteres Problem, auf das wir Hongkonger schon seit Langem aufmerksam machen: die übermäßige Abhängigkeit von China.

China, die „Fabrik der Welt“, ist bekannt für die Produktion von Autoteilen, Spielzeug und Elektronik. Aber das Land produziert auch Antibiotika, chirurgische Masken und medizinisches Gerät. China dominiert diese Lieferketten, indem es unlautere Handelspraktiken anwendet, etwa Lohndumping, Ausbeutungsbetriebe, niedrige Umweltvorschriften und staatliche Subventionen.

Wenn China den Export von Medikamenten und medizinischem Gerät reduzieren würde, würden sich die Regale europäischer Apotheken schnell leeren und die Gesundheitssysteme brächen womöglich zusammen. Erinnern Sie sich, wie nach dem chinesischen Exportverbot der Welt die chirurgischen Masken ausgingen? Aber das Tragen von Masken ist ein wichtiger Faktor im Kampf gegen das Virus, vor allem für medizinisches Personal.

Es ist unrealistisch zu fordern, dass jedes Land aufhören sollte, lebensnotwendige Güter aus China zu importieren. Wir leben in einer globalisierten Welt und unsere Wirtschaften sind voneinander abhängig. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Interdependenz und Überabhängigkeit. Handel sollte auf fairen und gleichen Bedingungen beruhen.

Im vergangenen Jahrzehnt sind die Aussichten auf einen Markteintritt in China so attraktiv gewesen, dass selbst die dort herrschende Diktatur, die miserable Menschenrechtsbilanz und die Umweltschäden deutsche Unternehmen nicht davon abhalten konnten, sich darauf einzulassen. Doch sie haben den Preis nicht sehen wollen, der zu zahlen ist. Der Markteintritt zu unfairen Bedingungen bringt die Chinesen und Hongkonger nicht nur um ihre Grundrechte, sondern gefährdet auch die wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Stabilität Deutschlands.

Das Coronavirus beschränkt sich eben nicht nur darauf, das Gesundheitswesen in eine Krise zu stürzen, sondern stellt auch unser Verhalten gegenüber China in Frage. Es ist höchste Zeit, dass Deutschland die rosarote Brille abnimmt und sich der Wirklichkeit stellt, bevor die übermäßige Abhängigkeit von Peking noch mehr kostet.