Das große China, dein Freund und Helfer

Auf allen Kontinenten baut das Riesenreich seinen Einfluss aus. Und viele Entwicklungsländer nehmen die Angebote gerne an. Dabei hat Peking eine Botschaft im Gepäck: Es geht auch ohne westlichen Liberalismus.

Vor einigen Jahrzehnten war es noch ein Witz. „Auf dem Roten Platz in Moskau sitzen eine Million Menschen. – Na und? – Aber die essen alle mit Stäbchen!“

Inzwischen ist Russlands Fernster Osten entlang des Amur längst in chinesischer Hand: Zehntausende von Groß- und Kleinhändlern und deren Familien haben die durch Überalterung, Arbeitslosigkeit und Suff ausgedünnten Gebiete übernommen, Rohstoffe en masse aufgekauft und dort so etwas wie eine neue, effizientere Zivilisation geschaffen.

Weltweit geht man inzwischen von einer Zahl von etwa 40 Millionen Auslandschinesen aus, die Dunkelziffer dürfte indessen weit höher liegen, da China – auch zur Reduzierung einheimischer Arbeitslosigkeit – Auswanderung weiterhin fördert, anstatt sie zu erschweren. Werden wir also gerade zu Zeitzeugen einer beginnenden Sinisierung der Welt?

Ehe dies in den Bereich der Paranoia weggedrückt wird (Ältere werden sich noch an den Spott erinnern, den seinerzeit Bundeskanzler Kiesinger mit seinem „Ich sag nur China, China, China“ geerntet hatte), sollte man zuerst einmal den offenen Blick wagen.

Gigantische Infrastrukturprojekte

Denn es sind ja nicht nur die letztlich abstrakt bleibenden Wirtschaftsdaten und die schwindelerregenden Milliardensummen chinesischer Auslandsinvestitionen rund um den Globus, sondern auch die lebensweltlichen Augenscheinlichkeiten, die für einen Epochenwandel sprechen.

Wenn die tagtäglich am Frankfurter Flughafen in Richtung Lateinamerika startenden Flieger in der Economyclass stets proppenvoll sind, dann nämlich längst nicht mehr dank sonnenhungriger europäischer Touristen.

Es sind Chinesen, vom Ingenieur abwärts und mit durchaus rüden Manieren, die aus Peking via Frankfurt nach Brasilia, Bogotá oder Panama City geflogen werden, um in den dortigen Ländern und Regionen an gigantischen Infrastrukturprojekten zu arbeiten. Das restliche Fußvolk kommt dann zumeist mit dem Schiff – vorerst noch über den Panamakanal, obwohl ein ambitioniertes Konkurrenzprojekt in Nicaragua längst angedacht ist.

Bei Letzterem hatten lokale Umweltschützer Alarm geschlagen, denn jene neue, noch größere und noch profitablere Verbindung zwischen Pazifik und Atlantik hätte den in der Mitte liegenden Nicaraguasee zu einem Sumpfland gemacht und die Lebensgrundlage Hunderttausender Einheimischer bedroht.