Neue Seidenstraße: Chinas ökologische Streubombe

China erneuert seine alte Handesrouten. Das könnten viele Arten nutzen, die verschleppt werden oder auswandern und sich leicht in fremden Gebieten ansiedeln. Nicht im Sinne der Erfinder, finden Ökologen – aus China.

Die von Staatschef Xi Jinping vor zwei Jahren ausgerufene Initiative für eine „neue Seidenstraße“,welche die Länder entlang Chinas alter Handelsrouten – unter anderem auch Europa – enger an das Reich der Mitte binden soll, könnte in einigen Weltregionen natürliche Ökosysteme schädigen. Ein internationales Forscherteam warnt im Fachmagazin „Current Biology“ vor den Risiken durch die Einschleppung gebietsfremder Arten. Die Gefahren für einheimische Spezies und ihre Vielfalt durch den Ausbau der Infrastruktur für Wirtschaftskorridore seien beträchtlich.

Die Forscher, darunter auch Experten von Chinas Akademie der Wissenschaften, fordern einen besseren Artenschutz und einen Sonderfonds, um die Erhaltung der Biodiversität bei der auch „Chinas Belt and Road Intiative“ (BRI) genannten Seidenstraße-Initiative sicherzustellen: „Wir schlagen die Einführung eines Projekts vor, das auf frühe Vorbeugung, schnelle Reaktion und wirksame Kontrolle fremder Arten in BRI-Ländern abzielt, um sicherzustellen, dass die Entwicklung nachhaltig ist.“

Risiko von ökologischen „Verfälschungen“ in 14 Großregionen

Schätzungsweise 15 Prozent der Gebiete in den Ländern, die unter die Initiative fallen, zeigten ein hohes Gesamtrisiko, dass neue Wirbeltiere eingeschleppt werden, während Menschen und Fracht transportiert werden, warnen die Forscher. Untersucht wurde die Einwanderungswahrscheinlichkeit für erst einmal 816 Wirbeltierarten aus vier taxonomischen Gruppen (Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere), deren „invasive“ Potential bekannt und schon in Felduntersuchungen erfasst worden ist: Damit sind noch lange nicht alle invasiven Arten erfasst.

Ein Blick auf die Landkarte zeigt: Mindestens 68 der insgesamt 123 Länder, die im Zuge der Seidenstraßen-Initiative handelstechnisch stärker an China angeschlossen werden sollen, könnten von der Verschleppung beziehungsweise Einwanderung gebietsfremder Arten besonders betroffen sein. Aus den vorhandenen Daten wurden weltweit vierzehn „BRI-Hotspots“ ermittelt, die im Zuge der Biodiversitätsinitiative nun stärker beobachtet werden sollen, darunter auch Südosteuropa mit dem Balkan als Schwerpunktregion.