Schülerkontrolle mit digitalem Armband

Die höhere Schule Guangdong Guangya im südlichen China hat für ihre Schülerinnen und Schüler 3.500 digitale Armbänder besorgt, die die Jugendlichen überwachen sollen. Obwohl der sozialistische Staat immer wieder mit zentralisierten Überwachungsideen aufhorchen lässt, ist der Aufschrei in der Volksrepublik groß – sofern er nicht schon eingedämmt wurde.

Mit den Armbändern aufgezeichnet werden sollen etwa Herzfrequenz und körperliche Aktivität, aber auch, wie oft Schülerinnen und Schüler im Unterricht die Hand heben und sich zu Wort melden. Das vermeldeten chinesischen Lokalmedien diese Woche. Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ am Freitag berichtete, würden die Armbänder zusätzlich auch noch über eine Ortungs- und Anwesenheitsfunktion verfügen. Außerdem könne man damit bezahlen.

Chinesische Medien berichteten, die Armbänder hätten etwa insgesamt fünf Millionen Yuan (ca. 652.000 Euro) gekostet. Viele Chinesinnen und Chinesen reagierten empört über die Verletzung der Privatsphäre der Jugendlichen, schrieb der „Guardian“. Insbesondere auf dem chinesischen Sozialen Netzwerk Weibo eskalierten die Kommentare rasch.

„Black Mirror“ im echten Leben?

„Was ist der Unterschied zwischen dem da und Fußfesseln von Gefangenen oder Ortungschips für Hunde? Schüler sind keine Gefangenen“, schrieb ein User. „Ist das ‚Black Mirror‘, nur im echten Leben?“, fragte ein anderer. „Black Mirror“ ist eine Science-Fiction-Serie, die verschiedenartige Auswirkungen der Verwendung von Technik und Medien auf die Gesellschaft thematisiert.

In einem Kommentar, der auf Weibo sehr oft geteilt wurde, heißt es: „Diese Menschen, die für das Bildungssystem arbeiten, sollten lieber als Wachen in Konzentrationslagern arbeiten.“ Die Reaktion von Alumni und Eltern sei laut „Guardian“ derart heftig ausgefallen, dass sich die Guangdong-Guangya-Schule gezwungen gesehen habe, ein Statement herauszugeben, dass die Armbänder nicht die ganze Zeit getragen werden müssten. Zudem würde ihr Nutzen erst überprüft.

Schule: „Teil einer Smart-Campus-Initiative“

„Unsere Schule überprüft die Armbänder noch und diskutiert über ihren Einsatz. Wir ziehen auch die Auffassung von Schülern, Eltern, Lehrern und Experten in Betracht“, postete die Schule auf ihrem Weibo-Account. Die Maßnahme sei Teil einer Initiative für einen smarten Campus, die letztes Jahr implementiert worden sei. Die Antwortfunktion zu dem Posting sei allerdings umgehend deaktiviert worden, schreiben Nutzerinnen und Nutzer.

Ein Weibo-Nutzer namens Guyi Sy, der schreibt, er sei ein Schüler der Guangdong Guangya, postete allerdings: „Ich denke, unsere Schule ist sehr human. Wenn die Mehrheit der Schüler dagegen ist, wird es Anpassungen geben. An jene, die sagen, es ist wie im Gefängnis: Die Schüler haben sich nicht dazu geäußert, also warum redet ihr immer noch darüber?“ Spekulationen gibt es nun darüber, ob dieses Posting von der Schule manipuliert sei.

Smarte Schuluniformen gegen das Schwänzen

Die Guangdong Guangya ist nicht die einzige Schule der Volksrepublik, die in letzter Zeit mit Überwachungsmaßnahmen aufhorchen ließ. In einer anderen Bildungsanstalt, ebenfalls im Süden des Landes, sollen Schülerinnen und Schülern ab sofort Hightech-Uniformen tragen, die sie vom Schwänzen abhalten sollen. Wie staatliche Medien unter Berufung auf den Hersteller der Kontrollgeräte berichteten, registrieren Chips in den Uniformen das Herein- und Herausgehen aus der Schule.

Der „Global Times“ zufolge greifen in den südlichen Provinzen Guizhou und Guangxi schon mindestens zehn Schulen auf diese Technik zurück. „Wenn die Schüler die Schule betreten, helfen die smarten Uniformen dabei, ein Foto oder Video von ihnen zu machen“, hieß es von Volksschuldirektor Ran Ruxiang, dessen Einrichtung die Uniformen im November einführte. Mehr als die Hälfte der 1.400 Schüler und Schülerinnen seien bereits damit ausgestattet.

Alarmsignal beim Schwänzversuch

Laut „Global Times“ ertönt ein automatisches Alarmsignal, wenn Schüler und Schülerinnen ohne Erlaubnis die Schule verlassen. In Kombination mit Gesichtserkennungsgeräten an den Schultüren können die smarten Uniformen auch erkennen, wenn Schüler und Schülerinnen das Kleidungsstück tauschen.

Wie effektiv das Modell wirklich ist, ist allerdings fraglich: Die Uniformen hätten geholfen, die Anwesenheitsrate zu erhöhen, „allerdings nicht viel“, sagte Schuldirektor Ran. Die Schule verwende die Uniformen vor allem dafür, den Schülern und Schülerinnen Benachrichtigungen und Hausaufgaben durch eine im Uniformchip integrierte App zukommen zu lassen.

Auf dem Weg zur totalen Überwachung?

So wie alle öffentlichen Einrichtungen in der Volksrepublik China unterliegen freilich auch Schulen der ständigen Überwachung der kommunistischen Regierung. Diese baut zurzeit ein System auf, das das Verhalten der Chinesinnen und Chinesen in allen Lebensbereichen bewertet. Dieses Sozialkreditsystem soll möglichst alles erfassen, so etwa das Strafregister, Parteitreue, Zahlungsmoral, Einkaufsgewohnheiten und soziales Verhalten. Zukünftig wollen die Machthaber nach einem Punktesystem darüber entscheiden, wer ein guter oder schlechter Bürger ist.

Ein Big-Data-Projekt mit derartigem Ausmaß privater Daten ist weltweit einzigartig. Auch dieses System erinnert Nutzerinnen und Nutzer, durchforstet man die Kommentare diverser Sozialer Netzwerke, an „Black Mirror“. In der Folge „Abgestürzt“ geht es um ein soziales Ranking, mit dem Menschen bewertet und dementsprechend behandelt werden. Andere wiederum erinnert das reale chinesische Bewertungssystem an George Orwells dystopischen Roman „1984“, der von einem totalitären Überwachungsstaat handelt.