Weltgeschichte mit dem Brecheisen – Vorteil China

Die USA können wirtschaftlich gegen China nicht gewinnen. So gesehen hat die Waffenruhe im Zollstreit höchstens aufschiebende Wirkung. Ein Kommentar.

Freunde saßen sich da nicht gegenüber, eher grimmig schaute die US-Delegation beim Dinner nach dem G-20-Gipfel in die Gesichter ihrer chinesischen Gesprächspartner. Doch mit Grimm allein lässt sich keine Triumph erringen. Präsident Donald Trump und seine Leute ließen sich in Buenos Aires auf einen „Waffenstillstand“ mit China ein, kein Sieg für Amerika, aber einer für die Vernunft.

Den Handelskonflikt, sollte er sich verschlimmern, kann Trump nicht gewinnen. Schon jetzt mehren sich die Anzeichen, dass Protektionismus der US-Wirtschaft nicht hilft, sondern massiv schadet. General Motors kündigte bereits an, auch wegen durch Zölle gestiegener Kosten 18.000 Stellen abzubauen.

Studien zeigen, dass die US-Haushalte in den nächsten Jahren leiden werden: Durch verteuerten Handel könnte ihre Kaufkraft um bis zu 2400 Dollar pro Jahr sinken – eine ökonomische Katastrophe.

In zwei Jahren steht Trump erneut zur Wahl. Mit einer kränkelnden Wirtschaft kann er nach all dem Getöse der vergangenen Jahre nicht punkten. Seine Munition ist bereits aufgebraucht, der Effekt der Steuersenkungen droht zu verpuffen, übrig bliebe lediglich ein Milliardenberg neuer Schulden. Ja, auch die Amerikaner sind leidensfähig, wenn es um eine überzeugende Sache geht. Doch eine hedonistisch geprägte Demokratie ist darin nicht ansatzweise so stark wie die leidgeprüften Chinesen mit zentraler Führung.

Das können sie beide: Politik mit der Brechstange

In Trump und Xi prallen zwei Führer aufeinander, die sich beide nicht scheuen, Weltgeschichte mit dem Brecheisen zu gestalten. Sie haben nicht das Wohl der Menschheit im Auge, eine ideologischen Vision oder gar eine göttliche Mission, sondern allein den Machtanspruch ihrer Nationen.

Der Unterschied ist, dass die Amerikaner aus der Defensive heraus handeln, während die Chinesen mit ihrer Disziplin, ihrem gigantischen Binnenmarkt und ihrem ungeheuren Fortschritt nicht zu stoppen sind. Wenn sie sich nicht selbst ein Bein stellen – durch ein Übermaß an Korruption etwa –, dann wird das 21. Jahrhundert das Zeitalter, in dem China zur mächtigsten Nation dieser Erde aufsteigt.

Ein Konflikt mit China lohnt sich, um der Führung dringend nötige Konzessionen abzuringen: eine stärkere Öffnung der Märkte, mehr Respekt vor dem Copyright und ein Stopp der Cyberspionage. Er wäre vergeblich, wenn das Ziel sein sollte, Chinas Aufstieg zu stoppen, wie es Trumps Hardliner wollen. Sie könnten ihn allenfalls um ein paar Jahre verzögern.